Sinnieren

...über Dies und Das, was uns bewegt.

In der Architektur liegt ökologisches Bauen momentan voll im Trend; zum Teil berechtigt. Regenerative Möglichkeiten zur Erzeugung von Strom und Wärme oder der Einbau umweltverträglicher Produkte sind ein sinnvoller Beitrag zum Erhalt und Schutz der Umwelt und unserer Gesundheit. Allerdings haben wir den Eindruck, daß sich der Umweltschutz bzw. Ökologie sich zu sehr auf den "Hausbau" konzentriert. Es darf nicht außer Betracht gelassen werden, daß der Einsatz von ökologischen Produkten oder Maßnahmen zur Reduzierung des Energieverbrauchs etc. für die Bauherren erstmals eine erhebliche finanzielle Mehrbelastung darstellt. Brauchbare Informationen diesbezüglich sind oft nur sehr zeitaufwendig zu erhalten.

Ein einfaches Beispiel ist die Verwendung von Kaseinfarben mit mineralischen Farbpigmenten abgetönt. Als Anstrich an den Wänden oder Decken beispielsweise sind diese Farben ein vielfaches teurer als Dispersionsfarben beim Baumarkt um die Ecke, sie werden selten geführt und von vielen Handwerkern nicht verarbeitet.

Oft gepriesen und viel bewundert sind Holzhäuser, meistens auch als Niedrigenergiehäuser gebaut. Sollten Sie nach Nordkalifornien oder noch weiter nördlich verreisen, werden sie erschrecken welchen Raubbau die Holzindustrie mit hunderte von Jahren alten Wäldern betrieben hat. Dies hat zur Folge, daß flächige Erosionen stattgefunden haben. Zwar ist die Holzindustrie mittlerweile bemüht mit der Aufforstung ein Gleichgewicht zu schaffen, wenn man aber sieht, daß solche schnellnachwachsende Bäume gerademal den Stammumfang eines Telegrafenmastens haben, kommen uns Zweifel, ob es hierbei noch gerechtfertigt ist vom Einsatz ökologischer Produkte zu reden.

Solche Niedrigenergiehäuser haben zwar einen hervoragenden Dämmwert, aber so wie Sie die Heizung auf bzw. zu drehen, wird es sofort warm oder wieder kalt. Die Wände haben keine Speichermasse, um die Wärme der Räume aufzunehmen, damit entsteht auch kein besonders behagliches Wohnklima. Behaglichkeit und eine "kernige" Wärme entsteht durch Strahlungswärme; bestes Beispiel hierfür ist der Kachelofen, eine gemauerte Wand ist ebenso geeignet.

Die hier aufgegriffenen Situationen finden wir im täglichen Leben wieder. Sollten wir uns für zusätzliche Maßnahmen zur Reduzierung des Energie und Wasserverbrauches entscheiden, ist dies zweifelsfrei begrüßenswert aber nicht der ultimative Beitrag zum Erhalt und Schutz der Umwelt, sondern einer von vielen Schritten. Die Zeiten des gedankenlosen Verbrauchens sind passé und jeder kann was unternehmen, ob auf Stand-by-Schaltungen oder den Wäschetrockner zu verzichten sei dahingestellt.

Unser Beitrag zum Schutz und Erhalt dieses Planeten wird täglich überdacht. So haben wir unsere Büroräumlichkeiten von den Zwängen der Tapeten und Tepichböden befreit, die Wände und Decken mit Kaseinfarbe gestrichen, der Boden ist mit schwimmend, mit nicht verleimten und nicht versiegeltem, massiven Holz verlegt. Der Einsatz hat sich doppelt gelohnt, da sich das Raumklima total positiv verändert hat. In unseren Schubladen sieht es auch <natürlich> aus; seit 1992 benutzen wir 100%-recyceltes Briefpapier.

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